Gemeinsames Staunen vor der Schöpfung

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Bildrechte Amberg

9.12.2026 Licht- und Videoshow GENESIS mit interreligiöser Special-Night in der Nürnberger Peterskirche

In farbenprächtigen und bildgewaltigen Projektionen zeichnet die immersive Licht- und Videoshow „Genesis“ die Erschaffung der Welt an die Decke und Säulen der Nürnberger Peterskirche. Lesungen aus jüdischer, christlicher und muslimischer Tradition gepaart mit passender Musik lassen diesen Abend für die Besucherinnen und Besucher zu einem besonderen interreligiösen Erlebnis werden.

Ein „gemeinsames Staunen entlang der Schöpfungsgeschichte“, so charakterisiert Thomas Amberg, Leiter der christlich-muslimischen Begegnungsstätte Brücke-Köprü, das Geschehen und fühlt sich, als die Lichter erloschen sind, „beschenkt“, weil Gottes Gegenwart spürbar gewesen sei. Das dürften viele Anwesende ähnlich empfunden haben. Die Kirche ist voll. Vor dem Altar laden Sitzsäcke ein, es sich gemütlich zu machen, um ganz in Licht und Klang zu versinken – ein Angebot, das gerne genutzt wird. Schon vor Beginn der Show laufen Lichtspindeln wie mächtige Säulen nach oben, Lichtblitze zucken durch den Raum – machen neugierig auf das, was kommen sollte.

Die Lichtprojektionen nehmen Fahrt auf, von weit her ist Flüstern zu hören, dazwischen der altgriechische Ausdruck „logos“. „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott.“ So der berühmte Auftakt des Johannesevangeliums, der auf den Anfang des Buchs Genesis („Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde“) Bezug nimmt. Das Licht fließt in verschiedenen Farben, verschwimmt und wird scharf, Lichtpunkte rotieren. Eine Frauenstimme ruft „Ruah Adonaj“ – Hebräisch für „Geist des Herrn“. „Der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“ Rhythmische Rezitationen der entsprechenden Suren aus dem Koran.

Und Gott sprach: „Es werde Licht!“ Wie ein Feuerwerk erlebt das Publikum die Entstehung des Lichts, das von der Finsternis geschieden wird. Abend und Morgen – erster Tag. Und Gott sah, dass es gut war. So steht es in der Bibel. Allah weiß Bescheid „Allah ist das Licht der Himmel und der Erde“, sagt der Koran. „Er führt zu seinem Licht, wen er will. Allah prägt den Menschen durch die Gleichnisse, und Allah weiß über alles Bescheid.“ Im Wasser bildet sich ein Gewölbe. Gewaltig fließt das Licht im Kirchenraum nach oben und unten. Zwischen dem Wasser oben und unten entsteht ein Raum. „Himmel und Erde waren eine zusammenhängende Masse, wir haben sie getrennt und aus dem Wasser alles Lebendige gemacht“, wird aus der heiligen Schrift des Islam zitiert. „Wollen sie denn nicht glauben?“

Am dritten Tag lässt Gott Gras und Pflanzen wachsen, Bäume, die Früchte tragen… Leuchtend grüne Blätter, Blüten in allen möglichen Farben entstehen im Kirchenraum wie aus dem Nichts, verzaubern und machen ehrfürchtig. „Gott ist es, der Wasser vom Himmel herabsendet, um damit Pflanzen jeder Art hervorzubringen“, erklärt der Koran, ruft auf, das Wachstum zu betrachten, sieht darin ein „Zeichen für Leute, die glauben“.

Lichtgewaltig wird die Erschaffung der Gestirne begleitet. Sonne und Mond erscheinen, die Milchstraße; Lichtpunkte driften auseinander, lassen etwas von der Urgewalt und Ewigkeit des Alls erahnen. „Die Lichter scheiden Tag und Nacht, sind Zeichen für Zeiten, Tage, Jahre“, wird das Buch Genesis zitiert. Und aus dem Koran: „Er – der Allwissende – ist es, der die Morgendämmerung hervorbringt und der die Nacht zur Ruhezeit gemacht.“

Leise Musik erklingt – „Nimm mich mit in den Fluss der Liebe zum Meer“ singt Hülya Friebe. Am fünften Tag spricht Gott laut dem Schöpfungsbericht in Genesis: „Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier, und Vögel sollen fliegen auf Erden“. Im ganzen Kirchenraum ist dieses Wimmeln sozusagen live zu erleben. Fische ziehen ihre Bahnen durchs Wasser, Vögel gleiten durch die Luft. Das Licht liefert eindrucksvolle Visionen von allerlei „lebendigem Getier“ – wie es im Koran heißt.

Die Schöpfung der Menschen kündigt sich an. In den Lichtprojektionen tauchen Gliedmaßen auf, Hände, Füße, die bildhaft zusammengefügt farbige Kunstwerke ergeben. Dazwischen werden menschliche Gestalten sichtbar. „Und Gott schuf den Menschen als sein Abbild. Als Mann und Frau schuf er sie. Und er segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ So die Worte der Bibel. „So möge Gott, der beste Schöpfer, gesegnet sein!“ beschließt der Koran die Schöpfungsgeschichte.

Gemeinschaftliches Staunen, Überwältigt sein. Dazu passt das Jesuswort „Siehe, ich bin bei euch bis ans Ende der Welt“. Die Größe und Schönheit der Schöpfung kündet von einem grandiosen, weisen, liebenden Erschaffer. Das könnte die Erkenntnis nach dieser spektakulären Lichtshow, den interreligiösen Texten und musikalischen Darbietungen sein.

Autorin: Ulrike Pilz-Dertwinkel (erschienen im Heinrichsblatt, 03/Jan.2026)