Dr. Thomas Amberg

Leiter der Brücke-Köprü

Pfarrer und Islamwissenschaftler

„Vogelperspektive“

Von hoch oben fotografiert liegt der Corona-Gedenk-Ort wie ein Mandala, ein buddhistisches Meditationsbild, vor uns, ruhig und zentriert. 16 verschiedene Religionsgemeinschaften aus Nürnberg haben als Rat der Religionen das Projekt mitgetragen. Als BRÜCKE haben wir die Aktion aktiv begleitet und an der Realisierung mitten in der Pandemie mitgearbeitet: ein minimalistischer, offener Würfel auf stillen Klarissenplatz, wenige Meter vom Hauptbahnhof und doch ein Ort der Ruhe.
Kerzen und Blumen zwischen Symbolen und Trostsprüchen aus den Weltreligionen. Dazu großformative Banner an mehr als 40 Gotteshäusern verschiedener Religionsgemeinschaften in ganz Nürnberg. Am 18. April konnten wir unter strengen Corona-Auflagen die multireligiöse Eröffnung mitgestalten.
Die Feier hat alle tief berührt. Über Grenzen von Religionen und Kulturen eröffnete sich ein gemeinsamer Raum: „In der Bedrängnis schufst du mir Raum“, spricht ein betender Mensch im biblischen Psalm 4,2. Wie wertvoll sind solche Erfahrungen! Haben Sie solche unerwarteten „Räume“ erlebt? Momente, in denen es in den letzten eineinhalb Jahren trotz allem weit oder offen, tief oder ruhig in und um uns wurde. Ich glaube, es lohnt sich, solche Erfahrungen im Gedächtnis zu bewahren, auch für unser zukünftiges Arbeiten im interreligiösen Dialog.
Vielleicht führt uns ein solch veränderter Blick zu einem guten Leben und Zusammenleben. Das würde sich lohnen.

Mit Grüßen aus der BRÜCKE Ihr