Interreligiöser Dialog unter Corona-Bedingungen – Herausforderungen und Experimente

Seit 10 Jahren arbeite ich, Doris Dollinger, als Dipl.-Religionspädagogin in der BRÜCKE-KÖPRÜ, Begegnung von Christen und Muslimen – Begegnung der Religionen. Doch wie kann Begegnung stattfinden, wenn sie nicht mehr in der gewohnten Form erlaubt ist?

Zunächst sah es wirklich so aus, als müsste Alles abgesagt werden: Workshops für Schulklassen, die bayernweite Fortbildung für Kitafachkräfte, der Austausch zum Thema Beschneidung im Jüdischen Museum Franken, viele Moscheeführungen…

Doch dann zeigte sich – wo Beziehungen bestehen, lassen sich auch neue BRÜCKEN-Wege finden – hier ein paar Beispiele aus meinem Arbeitsbereich:

Die christlich-muslimische BRÜCKE-Andacht, die traditionell seit Jahren in der Wilhelm-Löhe-Schule gehalten wird, konnte auch als kleiner Videofilm einer abrahamitischen Begegnung zu den Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen nach Hause kommen: „Lena, Meryem und Doris – eine Jüdin, eine Muslima, und eine Christin im Gespräch über die Auswirkungen der Corona-Beschränkungen auf unsere Festtage“: https://youtu.be/dR1uJPSbRRc

Bei der Bireligiösen Frauengruppe, die schon im März per Zoom stattfand, nimmt nun auch eine Expertin aus Hannover teil: Frau Dr. Helgard Jamal hat mit ihrer Buchreihe zur interreligiösen Bildung: „Biblische Geschichten in Begegnung mit Judentum und Islam“ Grundlagen veröffentlich, die wir in der BRÜCKE seit Jahren in unseren Schulkonzepten praktisch einsetzen: www.interreligioes-bilden.de/dr-helgard-jamal/  Seit Mai schaltet sie sich in unsere bireligiöse Frauengruppe rein und bereichert mit ihrer biographischen Erfahrung und ihrer wissenschaftlichen Kompetenz den interreligiösen Dialog. Eine Mischung von Frauen vor Ort und per Video ist entstanden.

So entstand auch eine ganz neue Variante eines vertrauten Konzeptes bei einer jüdischen SpeiseReise: Die Künstlerin Anna Adam sollte als Referentin nach Nürnberg kommen, doch anstatt von Berlin anzureisen, gelang eine LIVE-Schaltung der BRÜCKE in ihre Küche! Gute Planung sorgte dafür, dass nicht nur in unserer Lehrküche der BRÜCKE eine corona-bedingt kleine christlich-muslimisch: türkisch-irakisch-tunesische Gruppe, sondern auch in zwei weiteren jüdisch-christlich-muslimischen Haushalten die Rezepte und Zutaten bereitstanden und Anna Adam uns per Zoom anleiten konnte. Als Zugabe konnte dadurch auch ihre Frau Jalda Rebling, eine jüdische Kantorin dabei sein und uns den Schabbat-Segen singen. Eindrücke dieser beiden besonderen Frauen (von denen wir gerne im neuen Programm noch mehr erfahren, 21.01.2021, 19:00 Uhr) vorab im Trailer: Jalda und Anna Erste Generation danach: www.youtube.com/watch?v=2foXrF6OLFc

Ich freue mich, dass trotz räumlicher Entfernung eine vertraute Atmosphäre entstand und es ist auch ein Mitschnitt in Arbeit, der bald die Highlights dieser gelungenen Veranstaltung auf unserer BRÜCKE-Website zeigen soll.